Auf den Körper hören

affiche expo autour du corps

Die drei Künstler Lydie Arickx, Christian Dupuis und Gabriela Valencia enthüllen vor Publikum eine Serie von Wörtern und Ausdrücken den menschlichen Körper betreffend:

Für weitere Informationen zu den Künstlern lesen Sie bitte den Pressebericht.

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Vom 6. bis zum 28. April 2010.

Galerie Saint-Germain, Université Paris Descartes
12 rue de l’Ecole de Médecine - 75006 Paris

Commissaire d'exposition : Yvan Brohard

Autour de cette exposition, 2 conférences ont été proposées dans la salle du conseil de l’université Paris Descartes :

Zwei Konferenzen im „Salle du Conseil“ der Universität bilden das Rahmenprogramm der Ausstellung:

Vortrag von Georges Vigarello, am Dienstag, den 13. April um 18 Uhr zum Thema „Die Erfindung der Silhouette an den Grenzen der Kunst“ (vom 18. bis zum 21. Jahrhundert)

Georges Vigarello ist Forschungsleiter der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales. Sein gesamtes Werk konzentriert sich auf die Geschichte der Darstellungsformen des Körpers und der Körperpraktiken.

Der Begriff der „Silhouette“ ist eine historische Erfindung. Der Begriff entsteht im zweiten Teil des 18. Jahrhunderts. Es zeugt von der Absicht, den Körper in seiner Gesamtheit, in einem einzigen Umriss zu bezeichnen. Die Modernität des Wortes ist an die Modernität der Ikonographie gekoppelt: es bedeutet das Gebaren und die Kleidung anders zeichnen, die Umrisse und Striche global wahrnehmen. Es gilt, die Globalität des Körpers und seine Besonderheit zu unterstreichen. Diese Erfindung des 18. Jahrhunderts, die den Dialog von Wort und Strich erlaubt, beherrscht bis heute das Denken der zeitgenössischen westlichen Welt. Es gilt, das „Geheimnis“ der körperlichen Präsenz (und nicht nur das „Geheimnis“ des Geistes), die Individualität des Körpers und seine klare Personifizierung zu erfragen. Warum die Silhouette? Um die Studien zum Körper auf präzise und ausführliche Forschungsobjekte zu richten: die Ungenauigkeiten und Allgemeinheiten vermeiden, die die Forschung der sozialen Wissenschaften zu diesem Thema abschwächen. 
 Georges Vigarello 

-> Sehen Sie die Videoaufnahme (beschränkter Zugang für die Paris Descartes-Benutzer, die über ein ENT-Login und Passwort verfügen)

Michela Marzano ist Philosophin, Sonderbeauftragte für Forschung beim CNRS und Professorin an der Universität Paris Descartes. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Moralphilosophie und politische Philosophie und vor allem auf den aktuellen Platz des Menschen als fleischlichen Wesens.

Der Körper ist ein eindeutiger Bestandteil der menschlichen Existenz. Der Mensch wird IN und MIT dem Körper geboren, lebt und stirbt mit ihm.  IN und DURCH seinen Körper fasst er Fuß in der Welt und trifft auf andere Körper. Jeder ist zugleich ein physischer Körper, der den Menschen in die „Auβenwelt“ projiziert und ein geistiger Körper, der den Menschen in die „Innenwelt“ projiziert. Doch der perfekt eingedämmte Körper scheint heutzutage der einzige, akzeptable Körper zu sein. Von Werbespots bis zu Video-Clips sind wir mit einer wachsenden Zahl von Darstellungen des Körpers konfrontiert, die in gewisser Weise auf die Idee einer Kontrolle des Körpers hinweisen: einen gut eingedämmten Körper zur Schau stellen, scheint das beste Mittel zu sein, die Fähigkeit des Menschen zu beweisen, sein eigenes Leben zu kontrollieren. Eben dieses Bild des Körpers verführt, schockiert, lockt oder ekelt. Die moderne Rhetorik hat sich bewährt. Jeder Mensch soll imstande sein, sein eigenes Leben zu bestimmen. „Ganz er selbst“ soll er sein. Dazu aber reicht das Dasein nicht aus: der Körper soll kontrolliert und gezähmt werden. Man kann sogar zweifellos bejahen, dass hinter der Behauptung, die Zähmung des Körpers gebe dem Menschen die Freiheit, sein eigenes Leben zu bestimmen, eine Diktatur der Vorlieben, der Wünsche und Gefühle steckt.

 Michela Marzano 

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